Innovationen für unsere Ernährung

Der Nahrungsmittelsektor steht vor einem Umbruch, der Wachstums- und Investitionsmöglichkeiten für Impact-Anleger:innen bietet. Die vorhandene Agrarfläche kommt mit dem Bevölkerungswachstum um weitere 2 Milliarden Menschen bis 2050 an ihre Grenzen. Die Ernährungssicherheit gelingt, wenn Fortschritte bei der Reduktion der Lebensmittelverschwendung erzielt und Future-Food-Produkte eingeführt werden sowie der Agrarsektor durch Food Tech neue Impulse erhält.

Mann mit Bio-Gemüsekiste

Inhaltsverzeichnis:

Nahrungsmittelversorgung läuft auf einen Engpass zu

Der Agrarsektor erzeugt nach dem Energiesektor die meisten CO₂-Emissionen (20 % aller Emissionen) und ist für 70 % der globalen Wassernachfrage verantwortlich. Mit diesem Set-up muss der Sektor nachhaltiger gestaltet werden.

Das erwartete Bevölkerungswachstum um zusätzlich knapp 2 Milliarden Menschen bis 2050 fordert die Nahrungsmittelversorgung zusätzlich heraus.

Es gibt drei mögliche Lösungsansätze:

  • Einführung von neuartigen Nahrungsmitteln (Future Food),
  • Innovation entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Agrarproduktion (Food Tech) sowie
  • Reduktion von Lebensmittelverschwendung (Food Waste).

Bei wiLLBe sehen wir Anlagechancen v. a. bei Food Waste und Food Tech.

Herbizide und Pestizide ermöglichten einen einzigartigen Produktivitätsanstieg in der Vergangenheit

Der Agrarsektor musste seinen Output stark erhöhen, um die von 4 Milliarden Menschen im Jahr 1960 bis heute auf mehr als 8 Milliarden Menschen gewachsene Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Zahl der ernährten Menschen je Quadratkilometer Anbaufläche verdreifachte sich fast von 0.061960 auf 0.16 Menschen 2020.

Dieser Produktivitätsanstieg ist im Wesentlichen auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden zurückzuführen.

Jeder Quadratkilometer Agrarfläche ernährt heute fast dreimal so viele Menschen wie 1960

Wieviel Quadratkilometer Agrarfläche wie viele Menschen ernährt
Quelle: Statista, LLB (eigene Darstellung)

Die aktuelle Herausforderung der Nahrungsmittelversorgung

Bis 2050 müssen weitere 2 Milliarden Menschen ernährt werden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass

  • die Agrarfläche nicht signifikant ausgeweitet werden kann, und teilweise sogar von starken Erosionen betroffen ist.
  • Zudem sollen weniger Pestizide und Herbizide zu Gunsten der Biodiversität eingesetzt werden.

Bei einer Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen müsste jeder Quadratkilometer Agrarfläche 0.2 anstatt 0.16 Menschen ernähren. Das impliziert einen benötigten Produktivitätszuwachs von 27 %.

Wie kann das gelingen?

Future Food mit grossem Anklang

Als Future Food werden Nahrungsmittel bezeichnet, die in den nächsten Jahrzehnten öfter als bisher auf dem Menüplan stehen werden: Fleischersatz, Milchersatz, Käseersatz und Laborfleisch.

Im Grunde genommen handelt es sich um Algen, Seegras, Getreide, Bohnen, Hülsenfrüchte und Nüsse, im Labor erzeugtes Fleisch sowie Insekten.

«Fleischersatz, Milchersatz, Käseersatz und Laborfleisch gelten als Future Food.»

Bei Future Food geht es vor allem darum, Fleisch und Fisch aus dem Speiseplan zu entfernen, um so den hohen Wassereinsatz und die CO₂-Emissionen der Tierhaltung zu vermeiden.

Wir beobachten eine stark wachsende Nachfrage nach vegetarischen oder veganen Produkten: Der Absatz von Milchersatzprodukten in Deutschland dürfte sich von jährlich 3.8 kg 2022 auf 7.8 kg 2028 verdoppeln. 2016 verzichteten 0.8 Mio. Deutsche auf Fleisch, 2023 waren es bereits 1.5 Mio.

Konventionelles Fleisch verliert langfristig Marktanteile

Konventionelles Fleisch verliert langfristig Marktanteile
Quelle: Statista, LLB (eigene Darstellung)

Klassische Fleischersatz-Aktien haben enttäuscht

  • Beyond Meat und Oatly, ein US-amerikanisches und ein schwedisches Unternehmen, profitieren stark vom Future-Food-Trend:
  • Beyond Meat stellt Fleischersatz-Produkte auf Basis von pflanzlichen Produkten her.
  • Oatly produziert Milchersatz-Produkte auf Basis von Hafer.

Beide Unternehmen sind kotiert, haben aber gerade in den letzten zwei Jahren stark an Börsenwert verloren. Der Aktienkurs von Beyond Meat reduzierte sich von USD 150 im Sommer 2021 auf gegenwärtig USD 7.50. Oatly erging es nicht besser: Die Aktie brach von USD 20 im Sommer 2021 auf gegenwärtig USD 0.60 ein.

Bei wiLLBe haben wir uns vor zwei Jahren in beiden Fällen bewusst gegen diese Aktien entschieden, weil uns die Verschuldung für ein verlustbringendes Geschäftsmodell zu hoch erschien. Aktuell würden wir auch weiterhin keine der beiden Aktien kaufen. Dezidierte Future-Food-Unternehmen, in die Anleger:innen investieren können, sehen wir nicht.

Interessent:innen, die in diesen Trend investieren wollen, sollten eher Aktien von Retail-Firmen in Betracht ziehen. Dabei macht der mit Fleischersatzprodukten erzielte Umsatz meistens nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes aus. Zudem bestehen diese Aktien häufig die wiLLBe-Klimafilter nicht.

Deshalb finden wir bei wiLLBe gegenwärtig keine attraktiven Unternehmen aus dem Future-Food-Sektor.

«Fleischersatzprodukt-Aktien bestehen häufig die wiLLBe-Klimafilter nicht.»

Food Tech verbessert die Effizienz der Nahrungsmittel-Produktion

Unter Food Tech versteht man die Modernisierung des Anbaus, der Herstellung, der Konservierung und der Logistik von Lebensmitteln. Food Tech beabsichtigt, die Effizienz der Nahrungsmittelindustrie als Ganzes zu verbessern. Damit sollten als Konsequenz mehr Menschen mit der bestehenden Agrarfläche ernährt werden können.

Letztlich geht es um die Technologisierung der Landwirtschaft, der Nahrungsproduktion und der Nahrungsmittel-Logistik.

Neue Technologien mischen den Sektor auf

Food Tech kombiniert für die Landwirtschaft die neuen Industriedisziplinen:

  • Robotik,
  • Sensorik,
  • Automation,
  • Big Data,
  • Drohnen und
  • künstliche Intelligenz.

Diese Technologien kommen sowohl beim eigentlichen Anbau als auch in der weiteren Verarbeitung und Logistik der Nahrungsmittel zum Einsatz.

Nahrungsmittelanbau mit Roboter
Technologien werden heute beim Nahrungsmittelanbau bei vielen Schritten verwendet.

Dank moderner Satellitentechnologie können sich neue Traktoren bis auf wenige Zentimeter genau orientieren. Somit können sie Wasser und Dünger genauer einsetzen als bisher. Ebenso wird der Abtransport der Ernte vom Feld – oder auch von den verarbeitenden Betrieben – mittels der Unterstützung von Software effizienter gestaltet.

Auch in der Tierhaltung kommt die neue Technologie zum Einsatz. Das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft rechnet mit einer um 7 % höheren Milchmenge beim Einsatz eines automatischen Melksystems.

Diese Systeme messen die Inhaltsstoffe der Milch und werten den Gesundheitszustand der Kühe aus. Krankheiten lassen sich so frühzeitig erkennen. Des Weiteren gibt es Roboter für die Fütterung und für die Reinigung der Ställe.

Die eingesetzten Sensoren ermöglichen darüber hinaus das Sammeln von Bewegungsdaten der Tiere.

«Dank Satellitentechnologie können sich neue Traktoren Zentimeter genau orientieren.»

Grenzen der Technologisierung der Bauernhöfe

Wenn es um die Technologisierung der Landwirtschaft geht, muss die Betriebsgrösse der Bauernhöfe berücksichtigt werden. Grössere Betriebe lassen sich schneller und günstiger als kleinere Betriebe auf ein höheres technologisches Niveau mit angemessenen Kosten bringen.

Speziell in den Randregionen der Welt muss auf die Finanzierung dieser Technologien für Kleinbetriebe geachtet werden. Dort wird Lebensmitteltechnologie sehr schwer zu realisieren sein. Lokale, regionale oder supranationale Behörden sollten die Finanzierung dieser Investitionen bei den kleineren Betrieben sicherstellen.

«Lebensmitteltechnologie werden in Kleinbetrieben sehr schwer zu realisieren sein.»

Reduktion der Lebensmittelverschwendung wäre ein wichtiger Lösungsbeitrag

Das Vermeiden von Food Waste wäre ein erster und zugleich wichtiger Beitrag. Weltweit wird bis zu einem Drittel der hergestellten Nahrungsmittel nicht konsumiert. Selbst in einigen armen Regionen gibt es Lebensmittelverschwendung:

  • Das World Resources Institute schätzte 2022 den Food Waste in der Region Sub-Sahara auf 37 %.
  • Der WWF schätzt den Food Waste in Südafrika auf rund 33 %.

Bei einer vollständigen Vermeidung von Food Waste könnte die heutige Agrarfläche 10 anstatt 8 Milliarden Menschen ernähren.

Food Waste hinterlässt erhebliche klimatische Fussspuren

Food Waste produziert 4.4 Gigatonnen CO₂-Äquivalente oder 8 % der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Wäre Food Waste ein eigenständiges Land, wäre es nach China und den USA und vor Indien und Russland für die drittgrössten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

«Weltweit wird bis zu einem Drittel der hergestellten Nahrungsmittel nicht konsumiert.»

Food Waste mit bedeutenden CO₂-Emissionen

Food Waste mit bedeutenden CO2-Emissionen
Quelle: World Resources Institute, LLB (eigene Darstellung)

Einige Unternehmen haben das Problem erkannt und wollen mit spezifischen Programmen Food Waste reduzieren. Ein paar Beispiele von der Aktienempfehlungsliste der LLB: 

  • Danone will seinen Food Waste zwischen 2020 und 2030 halbieren.
  • Ebenso beabsichtigt die britische Compass Group, ihren Food Waste bis 2030 um 50 % zu reduzieren.
  • Auch die britische Kerry Group will ihren Food Waste halbieren.
  • Ahold hat seit 2016 den Food Waste bereits um 18 % reduziert. Insgesamt strebt das Unternehmen eine Halbierung bis 2030 an.
  • Der US-Retailer Albertsons geht deutlich weiter als die europäische Vergleichsgruppe: So will das Unternehmen bis 2030 den Food Waste gänzlich eliminieren.

Investitionen in die Lebensmittel-Logistik reduzieren den Food Waste zusätzlich. Veränderte Rezepte, welche die Produkte langsamer altern lassen, kommen dabei zur Anwendung. 

«Investitionen in die Lebensmittel-Logistik reduzieren den Food Waste zusätzlich.»

Attraktive Investments bei Food Tech und Food Waste

  • Bei wiLLBe finden wir attraktive Investment Cases in den Bereichen Food Technology und Food Waste – nicht aber im Bereich Future Food:
  • Die Bewässerungsanlagen des US-Unternehmens Lindsay optimieren den Gebrauch des knappen Wassers.
  • Die RFID-Etiketten von Avery Dennison ermöglichen über eine intelligente Bewirtschaftung eine Reduktion der Lebensmittelverschwendung.
  • Die Enzyme des dänischen Unternehmens Novozymes verbessern nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern reduzieren auch den Food Waste.

Bewässerung ist der Schlüsselfaktor im Ackerbau

Die Landwirtschaft konsumiert 70 % des knappen Wassers, der Ressourceneinsatz sollte deshalb wohl dosiert sein. Neue Bewässerungssysteme von Lindsay ermöglichen eine genauere Bewässerung.

Mit der FieldNet-Dienstleistung erhält der Bauer wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für seinen Landbau. Die integrierte Plattform erlaubt es den Bauern, die Empfehlungen zeitnah umzusetzen. Den Arbeitsvorgang kann er im Remote-Modus nachverfolgen.

Mit dieser Dienstleistung wird sichergestellt, dass weder die Pflanzen einem Wasserstress ausgesetzt sind noch die Nährstoffe ausgewaschen werden.

«Die Landwirtschaft konsumiert 70 % des knappen Wassers.»

Food-Logistik mit deutlichem Verbesserungspotenzial

Food-Logistik ist für die Nachhaltigkeit der Nahrungsmittel-Versorgung ausschlaggebend. Avery Dennison ist unter anderem auch für seine RFID-Etiketten bekannt.

Diese Technologie erlaubt es den Detailhändlern, auf jeder Stufe ihrer Lieferkette zu überprüfen, ob sie die richtigen Produkte, die richtigen Mengen und vor allem die richtigen Verfallsdaten haben. Und dies jeweils zu minimalen Arbeitskosten.

So können die Retailer sicherstellen, dass sie nicht zu viel eines bestimmten Nahrungsmittels erhalten. Derartige RFID-Etiketten dürften in den nächsten Jahren vermehrt die Regale der Retailer dominieren.

Frau mit iPad vor Pflanzen
Die Food-Logistik profitiert von der Technologie.

Auch Novozymes reduziert den Food Waste

Novozymes ist für die Enzyme zur Förderung der menschlichen Gesundheit, zum Beispiel der psychischen Gesundheit und Darm-Gesundheit, bekannt. Zusätzlich verlängern gewisse Enzyme die Frische von Nahrungsmitteln wie Brot.

Amylasen und Lipasen werden dem Brotteig zugesetzt. Diese Modifikation führt dazu, dass der Teig nicht mehr so schnell altert und das Brot länger haltbar ist. Die Lebensmittelverschwendung reduziert sich.

Impact der ausgewählten Aktien

In Bezug auf die implizite Temperatur schneiden die drei erwähnten Aktien nur unwesentlich schlechter ab als der MSCI World. Dies ist auf Lindsay zurückzuführen.

CO₂-Emissionen bei Scope 1 und 2 und beim Energieverbrauch liegen die Durchschnittswerte der Unternehmen aber wesentlich unter der Benchmark.

 MSCI World 1) Durchschnitt der
erwähnten Themen 1); 2)
Implizite Temperatur2.1 °C 2.2 °C
CO2-Emissionen 3)0.1860.050
Energiekonsum(MWh) 4)0.6400.226
1) je investierten USD
2) Für das marktgewichtete Portfolio der wiLLBe-Empfehlungen per 23. Oktober 2023
3) CO2-Gramm pro USD Marktkapitalisierung, je Tag
4) MW-Stunden pro USD Marktkapitalisierung, je Tag
Quelle: MSCI ESG, LLB

Traditionelle Finanzkennzahlen der erwähnten Aktien:

 MSCI WorldDurchschnitt der
erwähnten Unternehmen 1)
EBITDA-Gewinnmarge 2023E 19.2 % 21.6 %
Aktienbewertung EV/EBITDA 2023E 11.3x12.4x
Dividendenrendite 2023E 2.2 %2.0 %
1) Für das marktgewichtete Portfolio der wiLLBe-Empfehlungen per 23. Oktober 2023
Quelle: MSCI ESG, LLB

3 von 7 Anlagethemen von wiLLBe investieren in den nachhaltigen Nahrungsmittelanbau

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Portrait Javier Lodeiro

Javier Lodeiro

Experte für Impact Investing bei wiLLBe

Egal, ob es um erneuerbare Energien, nachhaltige Anlagen oder Biodiversität geht, Javier Lodeiro behält den Durchblick. Als LLB-Fondsmanager und langjähriger Finanzanalyst verfolgt und analysiert er bei der LLB die Nachhaltigkeitstrends. Javier begleitet dich auf deinem Weg als Investor:in mit Impact gerne mit Hintergründen und praktischen Tipps, damit wir nachfolgenden Generationen gemeinsam eine möglichst intakte Welt übergeben können.