Rendite verstehen mit willbe: Ein umfassender Leitfaden für Anleger
Wie gut ist deine Geldanlage? Dieser Artikel erklärt dir vier einfache Wege, deine Rendite zu verstehen. So siehst du klar, wie sich dein Geld entwickelt. Und willbe zeigt dir das bald übersichtlich in der App.
Wer Geld investiert, möchte wissen, wie erfolgreich seine Geldanlage war.
Die Rendite zeigt, wie effektiv ein Investment war, und dient als zentrale Kennzahl zur Bewertung unterschiedlicher Anlageformen. Für viele Anleger:innen ist sie der erste Orientierungspunkt bei der Auswahl einer passenden Strategie.
"Wie hoch ist meine Rendite?" – Diese Frage stellen sich viele Anleger:innen regelmässig. Doch die Antwort ist komplexer, als sie auf den ersten Blick scheint. Denn es gibt verschiedene Arten, Rendite zu berechnen, und jede Methode beleuchtet einen anderen Aspekt deiner Geldanlage.
Je nach Berechnungsmethode können die Ergebnisse stark variieren. Deshalb ist es entscheidend, die unterschiedlichen Ansätze zu kennen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
In der Finanz-App willbe arbeiten wir derzeit daran, dir vier Renditearten anzeigen zu können, die dir helfen, dein Portfolio aus unterschiedlichen Perspektiven zu verstehen:
- Einfache Rendite – die aktuelle Wertentwicklung einzelner Positionen
- Gesamterträge – dein tatsächlicher Gewinn in deiner Anlagewährung
- TWR (Time-Weighted Return) – die reine Marktperformance
- MWR (Money-Weighted Return) – deine persönliche Investitionsrendite
| Renditeart | Fokus | Vorteile für dich | Nachteile für dich |
|---|---|---|---|
| Einfache Rendite | Moment- aufnahme |
Schnell verständlich, ideal für Einzelwerte |
Keine Ausschüttungen, keine Gesamtbewertung |
| Gesamterträge | Absoluter Gewinn |
Zeigt echten Gewinn in Euro | Keine Prozentangabe, nicht vergleichbar |
| TWR | Markt- performance |
Vergleichbar mit Benchmarks | Ignoriert persönliche Cashflows |
| MWR | Persönliche Performance |
Berücksichtigt Timing & Cashflows | Nicht benchmarkfähig, komplex |
In diesem Beitrag erklären wir dir jede Methode ausführlich – mit Beispielen, Grafiken und einer ehrlichen Einschätzung ihrer jeweiligen Stärken und Schwächen.
1. Einfache Rendite – Die Momentaufnahme deiner Positionen
Was misst sie?
Die einfache Rendite zeigt dir, wie sich der Kurs einer offenen Position entwickelt hat –ohne Berücksichtigung von Dividenden, Zinsen oder Gebühren. Sie ist eine schnelle Momentaufnahme und eignet sich besonders gut für die tägliche Portfolio-Überwachung.
Beispiel:
Du hast eine Aktie für 100 Euro gekauft, und ihr aktueller Kurs liegt bei 120 Euro. Das bedeutet, dein Investment hat einen Gewinn von 20 Euro erzielt.
Die Rendite berechnet sich als Gewinn geteilt durch das eingesetzte Kapital: 20 Euro / 100 Euro = 0.20. Um das Ergebnis in Prozent auszudrücken, multiplizierst du diesen Wert mit 100, das entspricht einer Rendite von 20 %.
(120 - 100) / 100 x 100 = 20 %
Weiteres Beispiel:
Du zahlst 10'000 Euro ein und machst 100 Euro Gewinn. Danach ziehst du 9'000 Euro ab. Damit hast du noch 1'100 Euro investiert.
Die einfache Rendite wird jedoch auf Basis der ursprünglichen Einzahlung berechnet:
100 Euro Gewinn / 10'000 Euro Kapital = 0.01 = 1 % Rendite
Das Problem: Diese Rechnung berücksichtigt nicht, dass du den Grossteil deines Kapitals inzwischen wieder abgezogen hast.
Aktuell hast du nur noch 1'100 Euro investiert – und darauf bezogen entsprächen 100 Euro Gewinn einer deutlich höheren Rendite.
Fazit: Die einfache Rendite zeigt lediglich den Gewinn im Verhältnis zur ursprünglichen Einzahlung, nicht zur aktuellen Summe. Gerade bei Ein- und Auszahlungen im Zeitverlauf kann sie daher ein verzerrtes Bild vermitteln.
Vorteile für dich als -Anleger:in
Die einfache Rendite ist besonders hilfreich, wenn du auf einen Blick sehen möchtest, wie sich einzelne Positionen entwickelt haben. Sie ist leicht verständlich und eignet sich gut für die tägliche Kontrolle deines Portfolios – ganz ohne komplexe Berechnungen.
Nachteile für dich als Anleger:in
Diese Kennzahl kann jedoch ein verzerrtes Bild liefern, da sie Ausschüttungen wie Dividenden oder Zinsen nicht berücksichtigt. Auch Gebühren und Transaktionen bleiben ausser Acht. Für eine ganzheitliche Bewertung deiner Geldanlage ist sie daher nur bedingt geeignet.
2. Gesamterträge – Dein echter Gewinn
Was misst dieser Wert?
Die Gesamterträge zeigen dir die Summe aller Gewinne und Verluste, sowohl realisiert (z. B. durch Verkäufe) als auch unrealisierte (z. B. Kursgewinne offener Positionen). Sie sind besonders hilfreich, um deinen absoluten Anlageerfolg zu beurteilen.
Beispiel: Gesamterträge pro Monat
Vorteile für dich als Anleger:in
Die Gesamterträge geben dir einen klaren Überblick darüber, wie viel Geld du tatsächlich verdient oder verloren hast, unabhängig von Prozentwerten. Sie sind besonders nützlich, wenn du wissen möchtest, was dein Portfolio insgesamt eingebracht hat, beispielsweise für steuerliche Zwecke oder zur Budgetplanung.
Nachteile für dich als Anleger:in
Da die Gesamterträge keine zeitliche Gewichtung enthalten, eignen sie sich nicht für den Vergleich der Performance über verschiedene Zeiträume oder mit Benchmarks. Zudem fehlt eine prozentuale Einordnung, was die Vergleichbarkeit mit anderen Investments erschwert.
3. TWR – Die zeitgewichtete Rendite
Was zeigt die zeitgewichtete Rendite wirklich?
Die zeitgewichtete Rendite (TWR) ist eine Kennzahl, welche die reine Marktentwicklung eines Portfolios misst, unabhängig davon, wann und in welcher Höhe Ein- und Auszahlungen erfolgt sind. Sie eignet sich besonders gut, um die Qualität einer Anlagestrategie zu beurteilen.
"TWR eignet sich besonders gut, um die Qualität einer Anlagestrategie zu beurteilen."
So funktioniert die Berechnung
Um die TWR über einen gesamten Zeitraum zu berechnen, wird zunächst die tägliche Rendite ermittelt. Dabei wird der Portfoliowert am Ende eines Tages ins Verhältnis zum Vortag gesetzt und um Ein- und Auszahlungen bereinigt:
Einzahlungen werden dem Vortageswert hinzugerechnet, Auszahlungen vom aktuellen Tageswert abgezogen. Auf diese Weise entsteht ein klares Bild der tatsächlichen Marktbewegung.
Anschliessend werden die einzelnen Tagesrenditen geometrisch miteinander verknüpft, um die Gesamtrendite über den Beobachtungszeitraum zu erhalten. Das Ergebnis zeigt, wie sich das Portfolio entwickelt hätte, wenn keine zusätzlichen Mittel geflossen wären – also ausschliesslich aufgrund der Performance der investierten Produkte.
Berechnung:
Die TWR ergibt sich aus der geometrischen Verknüpfung der einzelnen Periodenrenditen:
TWR = (1 + r1) × (1 + r2) × ⋯ × (1+rn) − 1
Vorteile für dich als Anleger:in
Die TWR ist besonders nützlich, wenn du beurteilen möchtest, wie gut deine Anlagestrategie funktioniert, unabhängig vom Zeitpunkt deiner Investition. Sie eignet sich hervorragend für den Vergleich mit Benchmarks oder anderen Portfolios.
Nachteile für dich als Anleger:in
Für dich als Anleger:in kann die TWR irreführend sein, da sie deine tatsächlichen Ein- und Auszahlungen ausblendet. Das bedeutet: Auch wenn du zu einem ungünstigen Zeitpunkt investiert hast, kann die TWR eine gute Performance anzeigen – obwohl dein persönlicher Gewinn gering ist.
4. MWR – Die geldgewichtete Rendite
Was misst die geldgewichtete Rendite (MWR) wirklich?
Die geldgewichtete Rendite, auch bekannt als Money-Weighted Return (MWR), ist eine Methode zur Berechnung der tatsächlichen Performance eines Portfolios unter Berücksichtigung aller Ein- und Auszahlungen. Sie zeigt nicht nur, wie sich der Wert einer Investition entwickelt hat, sondern auch, ob das Timing der Zahlungsströme erfolgreich war.
Warum ist das relevant?
Stellen wir uns ein Portfolio vor, in das zunächst investiert wird, dem später weitere Mittel zufliessen und aus dem irgendwann Geld entnommen wird. Am Ende steht ein bestimmter Endwert. Die MWR beantwortet folgende Frage: Welcher konstante Zinssatz hätte auf ein ideales Sparkonto angewendet werden müssen, damit es – bei denselben Zahlungsströmen – genau diesen Endwert erreicht?
"TWR zeigt, wie sich das Portfolio entwickelt hätte, wenn keine zusätzlichen Mittel geflossen wären"
Das Ergebnis ist eine Rendite, die sich wie ein fiktiver, fixer Zinssatz interpretieren lässt – ein sogenanntes Fixed Rate Equivalent. Damit wird das Portfolio vergleichbar mit einem Sparkonto, das dank Zinseszins exponentiell wächst.
Der Einfluss des Timings
Ein entscheidender Punkt: Bei der MWR sind die Zeitpunkte der Ein- und Auszahlungen zentral. Wer in einer Marktphase mit starkem Wachstum investiert ist, profitiert stärker – und umgekehrt. Die MWR zeigt also nicht nur die reine Wertentwicklung, sondern auch, ob man zum richtigen Zeitpunkt investiert oder desinvestiert hat.
Wie wird die MWR berechnet?
Mathematisch basiert die MWR auf dem Konzept der internen Verzinsung (Internal Rate of Return, IRR). Dabei wird der Barwert aller Zahlungsströme berechnet, inklusive der Anfangsinvestition, aller weiteren Ein- und Auszahlungen sowie des Endwerts. Die IRR ist jener Zinssatz, bei dem der Barwert dieser Cashflows genau null ist.
Die Berechnung erfolgt meist numerisch, da sich die Gleichung nicht direkt auflösen lässt. Wichtig: Wenn die Zeitperioden nicht exakt ein Jahr betragen, muss die IRR annualisiert werden, um eine vergleichbare Jahresrendite zu erhalten.
Berechnung:
MWR basiert auf dem Internal Rate of Return (IRR):
0 = ∑t=0n CFt / (1 + i)t
Beispiel:
Investiert man Anfang Jahr CHF 100'000.– in ein Portfolio und es finden keine weiteren Kapitalflüsse statt, sind die beiden Performancezahlen bis zum Zeitpunkt einer neuen Einzahlung identisch: TWR = MWR.
Erfolgt jedoch Mitte Jahr eine zusätzliche Einzahlung, unterscheiden sich die Berechnung der beiden Renditekennzahlen.
Die TWR berechnet sich so, als würde die Einzahlung Mitte Jahr ignorieret (technisch wird sie durch die periodische Berechnung de facto "herausgerechnet").
Die MWR ist deutlich komplizierter zu berechnen, da die Folgeinvestition von CHF 50'000.– Mitte Jahr berücksichtigt werden muss.
Zunächst wird der Gewinn ermittelt. In unserem Beispiel beträgt der am Jahresende erzielte Gewinn CHF 28'850.–. Er ergibt sich aus dem Portfoliowert am Ende des Jahres abzüglich des investierten Kapitals (CHF 178'850.– minus CHF 150'000.–).
Diesen Gewinn setzen wir ins Verhältnis zum durchschnittlich investierten Kapital. Dieses beträgt CHF 125'000.–, weil die Folgeinvestition von CHF 50'000.– nur ein halbes Jahr investiert war. Daraus ergibt sich eine geldgewichtete Performance von 23.08 %.
Das bedeutet: Durch regelmässiges Investieren und gezielte Folgeinvestitionen, insbesondere nach Börsenkorrekturen, lässt sich die Performance deutlich positiv beeinflusst.
Vorteile für dich als Anleger:in
Die MWR ist ideal, wenn du wissen möchtest, wie gut du persönlich investiert hast – inklusive aller Einzahlungen, Verkäufe und deren Zeitpunkte. Sie zeigt dir deine individuelle Performance und ist besonders hilfreich für die persönliche Erfolgskontrolle.
Nachteile für dich als Anleger:in
Die MWR kann durch grosse Einzahlungen oder kurzfristige Marktschwankungen stark beeinflusst werden. Sie eignet sich nicht für den Vergleich mit Benchmarks und kann bei komplexen Portfolios schwer nachvollziehbar sein.
Grenzen der MWR
Die MWR ist sehr gut geeignet, um die individuelle Performance eines Portfolios einschliesslich des Timings zu bewerten. Sie ist jedoch ungeeignet für den Vergleich mit anderen Portfolios oder Benchmarks, da sie stark von den Zahlungsströmen abhängt.
Wenn du also wissen willst, wie gut sich eine Anlage unabhängig von Ein- und Auszahlungen entwickelt hat, brauchst du eine andere
Kennzahl: die zeitgewichtete Rendite (Time-Weighted Return, TWR). Sie blendet Zahlungsströme aus und fokussiert ausschliesslich auf die Marktperformance – und ist damit ideal für Vergleiche.
Vergleich: TWR vs. MWR
Kerndifferenz
- TWR misst die reine Strategie-Performance, unabhängig von Kapitalflüssen.
- MWR misst die Rendite aus Sicht der Anleger:in, inklusive Timing und Höhe der Einzahlungen.
Welche Rendite ist für dich relevant?
Es gibt verschiedene Arten, die Performance eines Portfolios zu messen, jede mit ihrem eigenen Fokus und Nutzen.
Hier ein Überblick über die wichtigsten Kennzahlen:
| Renditeart | Fokus | Nutzen | Ideal fuer | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| Einfache Rendite | Momentaufnahme | Schnell verstaendlich, ideal fuer Einzelwerte | Erste Einschaetzung einzelner Investments | Beruecksichtigt keine Ausschuettungen oder Gesamtbewertung |
| Gesamtertraege | Absoluter Gewinn in Euro | Zeigt den tatsaechlichen Gewinn in Zahlen | Ueberblick ueber den finanziellen Erfolg | Keine Prozentangabe, daher nicht direkt vergleichbar |
| Zeitgewichtete Rendite (TWR) | Reine Marktperformance der Produkte | Bewertet die Qualitaet deiner Anlagestrategie | Vergleich mit Benchmarks oder anderen Portfolios | Ignoriert Ein- und Auszahlungen |
| Geldgewichtete Rendite (MWR) | Effektive Wertentwicklung inkl. Ein- und Auszahlungen | Zeigt, wie erfolgreich dein Timing war | Persoenliche Portfolioanalyse | Nicht vergleichbar mit Benchmarks oder anderen Portfolios |
Was heisst das für dich?
Wenn du deine Anlagestrategie bewerten möchtest, sind MWR und TWR unverzichtbar. Sie zeigen dir, ob du zur richtigen Zeit investiert hast (MWR) und wie gut deine Produkte performt haben (TWR).
Wenn du hingegen schnell einen Überblick über einzelne Investments brauchst, helfen dir die einfachen Rendite und die Gesamterträge weiter – besonders, wenn du konkrete Euro-Beträge sehen willst.
Unser Tipp: Nutze alle vier Kennzahlen im Zusammenspiel, um ein vollständiges Bild deiner Investments zu erhalten, von der Strategie bis zur konkreten Rendite.
Hinweis: Die neuen Rendite-Kennzahlen für dein Portfolio befinden sich derzeit in Entwicklung und stehen dir ab Frühjahr 2026 in der willbe App zur Verfügung.