Zinsen, Währungen, Märkte: Was Anleger jetzt wissen müssen

Die US-Wirtschaft wächst moderat weiter, mit sinkender Inflation und möglicher Lockerung der Geldpolitik, jedoch belastet durch einen schwachen US-Dollar. Die Eurozone zeigt verhaltenes Wachstum und geringe Inflation; Chancen sehen wir in soliden Unternehmensanleihen. In der Schweiz stabilisieren sich Wirtschaft und Gewinne, während der starke Franken Anlagen stützt. Für Anleger:innen bedeutet das: Das Zins- und Finanzmarktumfeld bleibt in Bewegung, regionale Unterschiede bergen Chancen und Risiken.

Wallstreet Zinsausblick 2026

USA: Wachstum kühlt sich moderat ab, Zinsen bald tiefer

Das starke Wachstum im dritten Quartal 2025 beruhte vor allem auf hohem Konsum, der wegen sinkender Sparquoten jedoch nicht nachhaltig ist. Mit dem schwächeren Arbeitsmarkt und dem langen Regierungsshutdown dürfte die Dynamik im vierten Quartal 2025 nachgelassen haben. Der Arbeitsmarkt bleibt fragil, und die Zolleinnahmen stagnieren, da die Importe aus China zurückgehen.

Höhere Steuerrückzahlungen und KI-Investitionen stützen 2026 die Konjunktur, wodurch das Wachstum voraussichtlich nahe 2 % liegen wird.

US-Importe aus China gehen stark zurück

US-Importe aus China gehen stark zurück
Quelle: Macrobond, LLB (eigene Darstellung)

Die Weitergabe der Zölle hat ihren Höhepunkt überschritten. Obwohl der Konsens von einer langsamen Disinflation ausgeht, könnte sie auch schneller voranschreiten. Miet- und Güterinflation ohne Energie sind klar rückläufig, und das Lohnwachstum nimmt im abgekühlten Arbeitsmarkt weiter ab.

Nun gilt es, neue Daten abzuwarten, um den Abwärtstrend der Inflation zu bestätigen und mögliche Verzerrungen durch den Shutdown auszuschliessen.

"Die US-Handelspolitik belasten die wirtschaftliche Dynamik weiterhin und erhöhen die Unsicherheit."

Rendite von US-Assets muss um den schwachen US-Dollar adjustiert werden

Eine Beruhigung der US‑Inflation würde der Fed mehr Spielraum für Zinssenkungen geben. Der fragile Arbeitsmarkt liefert zwar kein klares Signal, spricht aber auch nicht dagegen. Politischer Druck und die ungeklärte Nachfolge Powells erhöhen die Unsicherheit.

Die Märkte erwarten zwei Zinssenkungen, auch wenn eine Senkung unter 3 % nicht Konsens ist. Zwar sind Gewinne bei Anleihen möglich, doch ein schwächerer Dollar mindert währungsbereinigte Erträge.

Bei US‑Aktien hat sich die Stimmung deutlich verbessert, und die Gewinnerwartungen für 2025 wurden erneut angehoben. Die Bewertung bleibt jedoch anspruchsvoll: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2025 liegt rund 1.75 Standardabweichungen über dem historischen Durchschnitt.

Für 2026 entspannt sich das Bild etwas, da höheres Gewinnwachstum zu erwarten ist und die Bewertung dadurch moderater erscheint.

Eurozone: US-Handelspolitik beendet die gute Wirtschaftsentwicklung, EZB wartet ab

Das Eurozonen-BIP wuchs im dritten Quartal um 0.3 %, getragen von einer 0.5 % höheren Inlandsnachfrage – dem stärksten Wert seit dem dritten Quartal 2024. Der private Konsum verlor zwar an Schwung, vor allem wegen des Rückgangs in Deutschland, doch höhere Staatsausgaben in Deutschland, Spanien, den Niederlanden und Finnland stabilisierten die Entwicklung.

Die Bauwirtschaft stagniert weiterhin, während Investitionen in Ausrüstung und geistiges Eigentum moderat zulegten.

Beitrag zur vierteljährlichen Wachstumsrate

Vierteljährliche Wachstumsrate Eurozone
QUelle: Macrobond, LLB (eigene Darstellung)

Im vierten Quartal entsprachen Inflation und Kernteuerung den EZB‑Erwartungen. Die Gesamtinflation dürfte bis Jahresende leicht unter 2 % fallen. Güterpreise sinken weiter, während Dienstleistungspreise hartnäckig über einer Teuerung von 3 % bleiben. Kurzfristig droht eher eine zu tiefe Inflation, mittelfristig könnte sie wegen hoher Investitionen wieder anziehen. 

Für Anleger:innen bedeutet das:

  • Staatsanleihen bringen wenig Rendite.
  • Unternehmensanleihen könnten von stabilen Spreads profitieren, wir bevorzugen solide Titel mit A-Rating.
  • Europäische Aktien leiden unter dem fallenden US-Dollar und dem US-Handelsstreit, welche die Gewinnerwartungen belasten. Insgesamt behaupten sich europäische Unternehmen. Die Aktienbewertung entspricht dem langjährigen Mittelwert.

Schweiz: Nach der Kontraktion im Q3 dürfte die Wirtschaft zum Wachstum zurückkehren

Exportdaten zeigen, dass der Rückgang im Pharmasektor endet. Das KOF‑Barometer liegt wieder klar über dem Durchschnitt, was leichtes Wachstum ab dem vierten Quartal wahrscheinlich macht.

Dienstleistungen und Bau bleiben solide, Teile der Industrie beleben sich langsam. Die Auslastung ist tief, das globale Umfeld anspruchsvoll, doch Impulse aus Deutschland und eine robuste Bauwirtschaft stützen.

Kontraktion im Q3 ist wohl ein Ausreisser

Wirtschaftswachstum Schweiz
Quelle: Macrobond, LLB (eigene Darstellung)

Die US-Zölle trüben die Stimmung

Da die Schweizer Inflationsrate nur knapp über 0 % liegt, sind in den kommenden Monaten auch negative Werte möglich. Solange die SNB die mittelfristige Preisstabilität nicht gefährdet sieht, wird sie die Zinsen jedoch nicht senken – zumal sie betont, dass die Schwelle für Negativzinsen hoch ist.

Für Anleger:innen heisst das:

  • Der Schweizer Franken bleibt stark – schlecht für Exporteure, gut für die Stabilität.
  • Für Schweizer Aktien sind die Gewinnschätzungen angestiegen, zudem ist der Gesamtmarkt relativ zur eigenen langfristigen Historie fair bewertet. Schweizer Aktien erscheinen uns attraktiv.
"Anlagechancen entstehen derzeit weniger global, sondern aus den Unterschieden zwischen den Regionen."

Investment-Fazit

Die unterschiedlichen geldpolitischen Aussichten der USA, der EU und der Schweiz schaffen Opportunitäten:

  • USD-Anlagen: Das US‑Wachstum kühlt moderat ab, und eine nachlassende Inflation eröffnet der Fed Spielraum für Zinssenkungen. Während Anleihen profitieren können, sind die Bewertungen im Aktienmarkt anspruchsvoll. Für internationale Anleger:innen bleibt jedoch der schwächere US‑Dollar ein wesentliches Risiko, da er währungsbereinigte Renditen schmälert. 
    Fazit: Selektiv attraktiv – Fokus auf hochwertige Anleihen und breit diversifizierte Aktien.
  • EUR-Anlagen: Bei Euro-Anleihen bevorzugen wir Unternehmensanleihen bester Qualität gegenüber Staatsanleihen, insbesondere weil die Zinssenkungsfantasie vorüber ist. Der (Gewinn-)Ausblick für europäische Aktien ist positiv, zudem liegt die Bewertung im Rahmen der langen Frist. 
    Fazit: Neutral bis leicht positiv – bevorzugt Unternehmensanleihen und selektiv Aktien mit stabilen Geschäftsmodellen.
  • CHF-Anlagen: Die Schweizer Wirtschaft erholt sich nach dem schwachen dritten Quartal, unterstützt von Dienstleistungen, Bau und einem stabileren industriellen Umfeld. Die SNB dürfte die Zinsen unverändert lassen, und der Franken bleibt strukturell stark. Die Gewinnschätzungen für Schweizer Unternehmen steigen, und die Bewertung liegt im historischen Rahmen.
    Fazit: Attraktiv – starker Franken, solide Fundamentaldaten und faire Aktienbewertungen sprechen für eine Übergewichtung von Assets in Schweizer Franken.

Insgesamt empfehlen wir marktgewichtete Positionen sowohl bei Anleihen als auch bei Aktien. Allerdings muss selektiv vorgegangen werden. Aktien aus der Schweiz und aus Europa erscheinen uns positiv. Eine gewisse Position Liquidität lohnt sich, um schnell auf Rückschläge reagieren zu können.

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Portrait Javier Lodeiro

Javier Lodeiro

Experte für Impact Investing bei willbe

Egal, ob es um erneuerbare Energien, nachhaltige Anlagen oder Biodiversität geht, Javier Lodeiro behält den Durchblick. Als LLB-Fondsmanager und langjähriger Finanzanalyst verfolgt und analysiert er bei der LLB die Nachhaltigkeitstrends. Javier begleitet dich auf deinem Weg als Investor:in mit Impact gerne mit Hintergründen und praktischen Tipps, damit wir nachfolgenden Generationen gemeinsam eine möglichst intakte Welt übergeben können.